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Susan Tauss
Im letzten Jahrhundert bis in die 90er Jahre sah sich die Malerei mehrere Male der Fotografie oder Videokunst konfrontiert. Beide neuen Gattungen haben scheinbar die vordergründige Aufgabe der Malerei, nämlich die der Abbildung und historischen Dokumentation übernommen. Die folgerichtige Entwicklung der Malerei war daher Ende des 20. Jahrhunderts, sich der komponierten Flächigkeit wieder bewußt zu werden, gleichzeitig aber auch die Zweidimensionalität zu überwinden.
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Susan Tauss sprengte zunächst die Bildform, indem sie zwei Büttenpapiere
zusammennäht, mit unterschiedlichen Materialien füllt und
mit Acryl, Ölkreide, Aquarell, Grafitstift und Pastellkreide
bemalt. Entstanden sind Kissenbilder, die gleichsam als Körper
ihren Raum im Raum einnehmen. Das Sofa-, Schlaf-, oder Stuhlkissen
an sich dient den Menschen als bequeme stoffliche Unterlage, als Knautsch-
oder Wurfobjekt oder mitunter als Wärmeersatz. Auch die Kissenbilder
von Susan Tauss erleben a priori eine positive Konnotation, doch befreien
sie sich aus der bürgerlichen Konvention und werden frei für
jegliche Fantasie.
Die fünf Kissenbilder sind der Serie Bretagne Tagebuch entnommen
und fallen nicht nur durch die vielfältigen wunderschönen
Rotnuancen auf, sondern vorrangig dadurch, dass die Kissen ihren Raumkörper
aufgebrochen, erweitert haben. Der Betrachter erkennt netzartige Elemente
aus den Raumtiefen hervortreten. Es sind die Fischernetze, die die
Künstlerin am Strand gesammelt hatte. Inmitten der französischen
Landschaft sind sie ihr aufgrund ihrer leuchtend roten Farbe aufgefallen,
zugleich eine Aufforderung, die Netze als bildimmanenten Träger
zu verwenden. Indem die Künstlerin sie aufnahm, sammelte, reinigte
und in ihr Atelier trug, enthob sie die Netze jeglicher Funktion.
Durch ihre Re-Integration in einen anderen Kontext, hier die Kissenbilder,
erhalten sie eine neue Bedeutungstiefe. Hier werden sie zu einer historischen
und emotionalen Reminiszenz an die Farberlebnisse in der Bretagne.
Susan Tauss nahm den Rotton der Fischernetze auf und vollzieht mit
den fünf Kissen eine gewaltige Farbchoreografie aus Rottönen
und Nuancen von Rot. Doch es ist ja nicht nur die Farbwelt Rot, die
beeindruckt, es sind noch die flirrenden Strukturen im konvexen, sich
erhebenden Bildkörper, die irritieren, verwirren, verwundern.
Dann gibt es noch den Faden, der scheinbar unfertig am Kissenkörper
herunterhängt, und doch vielmehr den Kontakt zum Raum, zu den
Menschen aufnimmt, als kommunikatives Angebot. 
| 1961 |
geboren |
| Studium |
Grafik-Design Studium der Staatlichen Akademie Stuttgart bei Prof. Ade und Prof. Kröplien; Malerei bei Prof. Groß |
| allgemein |
Grafik-Designerin und Künstlerin; lebt und arbeit in Gerlingen bei Stuttgart. |
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