Wenn eine Gesellschaft wie die unsrige immer globaler, vernetzter und anonymer wird, so wird das Bedürfnis nach Menschlichkeit und persönlicher Wärme immer größer und dringender.
Doch selbst in einer Kleinfamilie oder Partnerschaft bleibt dieses Grundbedürfnis angesichts des beruflichen Engagements auf der Strecke. Immer mehr Menschen ersticken in Depression, Aggression und Isolation. Zur Modellierung dieser Verletzbarkeit und Emotionalität verwendet Albrecht folgerichtig Wachs, das gleichsam weich, formbar und verletzbar ist, aber auch erstaunlich haltbar.
Der Eindruck von spielerischer Leichtigkeit wird im Bild "Kurzes Fädchen-fleissiges Mädchen" nicht nur durch die kreative Wortschöpfung verstärkt, vielmehr durch die einnehmende Farbigkeit der lustvollen Gestaltung in ihrer habhaften Ober-flächenstruktur. Bei diesem Thema handelt es sich um das Trauma, das manche von uns mit Handarbeitslehrerinnen erlebten, die in früheren Zeiten gerne den Spruch sagten: "Kurzes Fädchen - fleissges Mädchen, Langes Fädchen - faules Mädchen".
Marlis Albrecht lockt des Betrachter über einen ersten heiteren, amüsierten Blick, gleich der schönen Fassade zu einem zweiten Blick hinein in die Tiefen der verletzbaren Sinnlichkeit, der frustrierten Hilflosigkeit und des Spannungs-verhältnisses zu sich selbst und seiner Umgebung. 
| 1956 |
geboren |
| zwischenzeitlich |
bkfm. Ausbildung, nach einigen Berufsjahren Hinwendung zur Malerei im Eigenstudium. Zum Lebensunterhalt Arbeit bei Gärtnerei, Musikschule, Verlag, Stuttgarter Landtag, Bauernhof, Volkshochschule, Marionettenbau |
| 1987 - 88 |
Studium an der Freien Kunstschule Stuttgart |
| Seit 1989 |
freischaffend, lebt und arbeitet in Möglingen |
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