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Katrin Kinsler
Katrin Kinsler hat in ihrer Rauminstallation im Kabinettanbau sprichwörtlich einen durchgängigen Faden aufgenommen, um den Betrachter mittels diesem in ein neon oranges im Raum gespanntes Netz zu verstricken. Das Netz kann zwar als das Fangnetz der Kunstspinnenfrau Katrin Kinsler assoziiert werden, es versinnbildlicht vielmehr das Statement ihrer Zeichnungen im Raum. Katrin Kinsler, Jg 72, studierte zunächst an der Freien Kunstschule in Stuttgart u.a. bei Mariel Gottwick, danach an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart bei Marianne Eigenheer. Im GalerieHaus 42 stellt sie nun zum zweiten Mal aus.
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Sie fällt als Künstlerin nicht nur durch ihr erfrischendes Design, sondern vor allem durch ihre kritische Unkonventionalität auf. Aus ihren gesellschaftskritischen zeichnerischen Ansätzen entwickelte sich eine Kunstsprache heraus, die sie „Zuvielisationsgrafik“ nennt und sich einem medienimmanenten Phänomen des 20. und verstärkt des 21. Jahrhunderts annimmt. Wir sind täglich einer Flut von Bildern, Werbesprüchen, Informationen aus der Zeitung, dem Fernsehen, dem Internet, der Außenwerbung ausgesetzt und können nur weniger als einen Prozentsatz davon behalten, herausfiltern und als wichtig erachten. Dieser Sequenz der gefilterten, überlagerten Gedanken, Informationen, Sprüche, Logos spürt Katrin Kinsler mit sicherem Strich nach und konserviert damit einen Moment unserer Aufnahmekapazität. Nicht zu vergessen, dass diese Aufnahmekapazität abhängt von Zeit und Ort. So verwenden wir andere Aufnahmestrukturen, gleich ob wir uns in den USA, in Asien oder in Gerlingen aufhalten. Katrin Kinsler befand sich in Berlin, und hatte das Vergnügen ihre Zeit mit Freunden und mit den „fantastischen Vier“ zu verbringen. Daraus entstanden charakteristische ZuvielisationsPorträts der Musiker.
In der Studie von Max Herre beispielsweise erkennt der Betrachter die Vorstadt-Krokodile, oder die Studie von Ulrike Fleischer charakterisiert sie als jemand, der körperlich und geistig in Meister Proper aufgeht. Ihr Selbstporträt von 2003 zeigt die Künstlerin als Steinzeitmädchen mit einem Knochen im Haar, das die Augen gleichsam hypnotisiert in orangenen Kreisen aufreist und sich in Raum und Zeit verliert. In der 2005 entstandenen Serie Istanbul Kebab setzt Kinsler erstmals in ihrer Sprache der Zuvielisationsgrafik farbige Akzente, die noch den soziokulturellen Ansatz pointieren. Der Betrachter wird von der Künstlerin dazu aufgefordert, sich durch die zeichnerischen Ebenen hindurch zu arbeiten. Selbst in den tieferen Ebenen der Berliner Serie oder der Istanbul Serie sind Überzeichnungen zu erkennen, die überraschen. Ihre überlagerten, geschichteten Zeichnungen der Zuvielisationsgrafik sind perspektivenreich, kurzweilig. Kinsler reflektiert und pointiert meist mit einem ironischen, witzigen Unterton, nie darum verlegen, über sich selbst und die Menschheit zu lachen. Und wir lachen gern. 
| 1973 |
geboren in Reutlingen |
| 1995 - 1999 |
Freie Kunstschule Stuttgart |
| 1999 - 2004 |
Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttart,
Klasse Prof. Eigenheer |
| jetzt |
freischaffende Künstlerin |
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